Auszug aus der Vernissagenrede von Dr. Annette Wauschkuhn zur Ausstellung „Frisch eingetroffen“ der Gedok am 03. Mai 2011 im Kunstverein Leimen

 

 ...auch in den Werken von Ines Reinhardt spielt die menschliche Figur die entscheidende Rolle, doch anders als in den besprochenen Werken zeichnen sich die Figuren, die I. R. schafft, durch eine gleichsam durchdringende Intensität und Konzentration aus. Fast erschreckend muten diese Dargestellten in der Faszination ihrer Gebärden und Mimik an, so, als wollten sie den Betrachter in ihren Bann ziehen, damit er sich mit den existenziellen Fragen des Lebens auseinandersetze! Das sind keine Menschen, die unseren normalen Alltag bevölkern, es handelt sich um mythologische Figuren wie Gaya, die Urgöttin der Fruchtbarkeit und Kronos, ihren Sohn, mit dem sie den Verrat an Uranus plant oder um sog. Butoh-Tänzer, die mit der Form ihres Tanzes den menschlichen Körper zu einer als Ganzheit verstandenen Einheit von Körper und Geist im elementaren Sinn zurückführen.

Sie alle sind formal auf das Wesentliche reduziert, so dass der Betrachter sich auf die aussagekräftigen Gesichter und Hände konzentrieren muss. So spielt auch der Raum in diesen Kompositionen nur eine untergeordnete Rolle, er dient als farbige Hintergrundsfolie oder als Kontrast, um die sehr plastisch herausgearbeiteten Figuren noch körperlicher wirken zu lassen. Allein bei Gaya, die dem Chaos entsteigt, erscheint der Bildraum quasi als ungeformtes, farbiges, bewegtes Element, aus dem sich -der Bildidee entsprechend- eine weibliche Figur herausschält. Sollte man diese Motive auf einen Nenner zurückführen, so würde sich der Begriff „Intensität“ in allen möglichen Facetten aufdrängen..