Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung im April 2013
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Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung 13.09.2012
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Süddeutsche Zeitung 02.08.2012
Süddeutsche Zeitung 02.08.2012

Ines Reinhardt: Malerei, Zeichnungen und Graphiken

 

Die Arbeiten von Ines Reinhardt konzentrieren sich auf die menschliche Figur im Raum. Sie zeigen zumeist Raum greifende Körper in Bewegung, deren Intensität dem Betrachter in linearen, spannungsgeladenen Kompositionen ein energetisches Raumgefühl vermittelt.

 

Durch die Spannung, die durch die gezeichneten und radierten Linie auf- und abgebaut wird, entsteht das Gefühl von Intensität, wenn der Blick den Linien folgt, das Auf- und Abschwingen des Pinsels nachempfindet, Bewegung erfühlt, die Schnelligkeit, mit der ein Pinselstrich gezogen wurde, an seinem Verlauf wahrnimmt.

Es handelt sich um Kompositionen, die auf das Wesentliche reduziert sind, ausgeführt in unterschiedlichen Techniken; das facettenreiche Spiel mit unterschiedlichen Gestaltungsmitteln führt dabei zu einem Spektrum an nuancenreichen Varianten.

Die Farbigkeit des jeweiligen Blattes unterstreicht und unterstützt jeweils das Liniengefüge der Komposition, bleibt aber immer zweitrangig, ist nie entscheidend für die eigentliche Wirkung.

 

Bei ihrer Motivsuche spielt der Tanz als Ausgangspunkt wahrgenommener, gefühlter Bewegungsabläufe für Ines Reinhardt eine große Rolle. Denn die Energielinien und Kraftpunkte tanzender Körper in bildkünstlerische Gestaltung umzusetzen, bedeutet für sie gefühlte Intensität auf den Punkt zu bringen.

 

Die graphisch und zeichnerisch gestaltete Linie stellt hierbei das eigentliche Transportmittel der wahrgenommenen Energie im Raum- und Zeitkontinuum dar, der flüchtige Moment gewinnt an Gestalt durch ihre Spannung. So ist auch das Volumen des Pinselstrichs ausschlaggebend für die Wirkung der dargestellten Pose.

Die Wahl der Gestaltungsmittel wird auch hierbei sehr sorgfältig abgestimmt auf die Aussage und ihre gewünschte Wirkung; so entstehen beispielsweise die schnell gesetzten, zerfurchten Pinselstriche der Contact-Impro- Kompositionen durch den Einsatz von Eigenhaarpinseln, die in rascher Bewegung aufs Blatt gebracht, die Linien willkürlich zerreißen und auf diese Weise den Eindruck des Flüchtigen, Fahrigen noch unterstützen; diese Wirkung entspricht im Ergebnis der Zielsetzung der Künstlerin, flüchtige Momente der Intensität, die bei dieser Art des Kontakttanzes entstehen, auf dem Blatt festzuhalten, indem sie vor allem die Kraftpunkte einer Bewegung im Dialog zweier Tänzer herausarbeitet.

 

Ganz gegensätzlich die Wirkung der Arbeiten zum Butohtanz: Hier liegt der Blick auf der Intensität der wesentlich langsameren Bewegung, die sich zu einem vorgegebenen Thema aus tiefster mentaler und körperlicher Sammlung und Konzentration auf den Inhalt aus dem Inneren des Tänzers in den äußeren Raum entfaltet. Um diese gefühlte Intensität wiederzugeben, benötigt die Künstlerin einen der Tanzbewegung nachempfundenen, ebenso konzentriert geführten Auftrag der Farbe auf dem Blatt, den sie ebenfalls in höchstem Maße konzentriert entwickelt.

 

Darstellungen körperlicher Spannungszustände sowie muskulärer Entspannung sind für sie jedoch nicht nur bei Tänzern faszinierend, deutet sie den körperlich wahrnehmbaren Zustand durchaus im übertragenen Sinn auch als Ausdruck einer inneren Befindlichkeit.

So sind zahlreiche Kompositionen entstanden, in denen die Figur im Raum durch die scheinbare Einwirkung eines im Bildraum nicht sichtbaren Gegenstands, der beispielsweise nur durch eine, aus dem Raum führende Verbindungslinie angedeutet sein mag, in Bewegung versetzt scheint; diese humorvollen, reduzierten, fast minimalistisch zu nennenden Arbeiten dienen der Künstlerin gegebenenfalls auch als Orientierung für größere, malerisch ausgeführte Kompositionen in Acryl.

 

Die menschliche Figur im Raum – befreit von ihrer persönlichen Geschichtlichkeit, namenlos und Identitäslos- einzig bezogen auf die Intensität ihrer Bewegung im Moment.

 

Dr. Annette Wauschkuhn, Kunsthistorikerin Heidelberg, Juni 2012

Auszug aus der Vernissagenrede von Dr. Annette Wauschkuhn zur Ausstellung „Frisch eingetroffen“ der Gedok am 03. Mai 2011 im Kunstverein Leimen

 

 ...auch in den Werken von Ines Reinhardt spielt die menschliche Figur die entscheidende Rolle, doch anders als in den besprochenen Werken zeichnen sich die Figuren, die I. R. schafft, durch eine gleichsam durchdringende Intensität und Konzentration aus. Fast erschreckend muten diese Dargestellten in der Faszination ihrer Gebärden und Mimik an, so, als wollten sie den Betrachter in ihren Bann ziehen, damit er sich mit den existenziellen Fragen des Lebens auseinandersetze! Das sind keine Menschen, die unseren normalen Alltag bevölkern, es handelt sich um mythologische Figuren wie Gaya, die Urgöttin der Fruchtbarkeit und Kronos, ihren Sohn, mit dem sie den Verrat an Uranus plant oder um sog. Butoh-Tänzer, die mit der Form ihres Tanzes den menschlichen Körper zu einer als Ganzheit verstandenen Einheit von Körper und Geist im elementaren Sinn zurückführen.

Sie alle sind formal auf das Wesentliche reduziert, so dass der Betrachter sich auf die aussagekräftigen Gesichter und Hände konzentrieren muss. So spielt auch der Raum in diesen Kompositionen nur eine untergeordnete Rolle, er dient als farbige Hintergrundsfolie oder als Kontrast, um die sehr plastisch herausgearbeiteten Figuren noch körperlicher wirken zu lassen. Allein bei Gaya, die dem Chaos entsteigt, erscheint der Bildraum quasi als ungeformtes, farbiges, bewegtes Element, aus dem sich -der Bildidee entsprechend- eine weibliche Figur herausschält. Sollte man diese Motive auf einen Nenner zurückführen, so würde sich der Begriff „Intensität“ in allen möglichen Facetten aufdrängen..